Dachgarten anlegen 

In vielen Städten, gerade in Großstädten, haben die Menschen kaum noch Gelegenheit, ohne lange Fahrtwege ein wenig Grün, Sonne und frische Luft zu genießen. Mit Dachgärten holt man ein Stück Natur in die Betonwüste und schafft auf kleinem Raum einen Ort der Entspannung oder sorgt für ein wenig eigenes Gemüse. Die Pflege eines Gartens ist dabei für viele Menschen ein guter Ausgleich zu oft wenig bewegungsintensiven und stressigen Bürojobs.
Auch auf das Stadtbild wirkt sich die Anlage von Dachgärten positiv aus, sie lockern die Umgebung optisch auf, verbessern das Kleinklima und werden von einigen Tierarten als Lebensraum genutzt.
Für Kinder bietet sich hier die Möglichkeit, auch in der Stadt Pflanzen kennenzulernen, den Wechsel der Jahreszeiten mit zu erleben und, je nach Größe des Gartens, vielleicht auch ein Haustier halten zu können.
In Häusern mit mehreren Parteien fördert ein Dachgarten die sozialen Kontakte unter den Bewohnern, im Garten trifft man sich bei Gartenarbeit, im Liegestuhl oder organisiert gemeinsame Grillabende.
Natürlich kann ein Dachgarten nicht nur in der Stadt angelegt werden, er ist für jedes flache, entsprechend tragfähige Dach geeignet und bereichert auch ländlich gelegene Häuser.
Die Abdeckung mit Erde und Pflanzen sorgt für eine gute Isolierung gegen Kälte und Hitze, im Sommer sorgen Gehölze für Beschattung und wirken damit zusätzlich kühlend.

Aufbau
Bevor ein Dachgarten oder eine Dachterrasse angelegt werden kann, ist zu prüfen, ob das Dach die nötige Tragfähigkeit aufweist. Besonders beim Auftragen von Mutterboden kommt eine gewaltige Last auf das Dach. Ist das Dach nicht stabil genug für einen Dachgarten, ist eine Dachterrasse mit dem ein oder anderenBlumenkübel eine Alternative.
Eine wasserdichte Schicht sorgt dafür, dass vom Dach keine Feuchtigkeit in das Haus eindringen kann. Darüber kann eine Trittschalldämmung verlegt werden, dies bietet sich besonders bei mehreren Parteien in einem Haus an. Darüber folgt eine wurzeldichte Schicht, zum Beispiel aus dicker Kunststofffolie.
Eine Drainageschicht aus Kies oder grobem Sand sorgt dafür, dass die Bepflanzung bei Regen nicht im Wasser steht. Das Material sollte möglichst keine scharfen Kanten aufweisen, die die Folie verletzen können.
Bei der Auswahl der Erde sollte man auf Qualität achten, da die Pflanzen auf dem Dach oder auch imPflanzkübel nur einen begrenzten Wurzelraum zur Verfügung haben. Guter Mutterboden oder leicht vorgedüngte Blumenerde sind hier geeignet, auch spezielle Dachgartenerde ist im Handel erhältlich.
Die Zugabe von Lava- oder Ziegelsplitt, Perlite oder Blähton sorgt für eine gute Durchlüftung und hält Wasser im Boden.

Die Bepflanzung
Aufgrund des begrenzten Erdvolumens sollten im Dachgarten oder im Blumenkübel bevorzugt kleinbleibende Gehölze, Stauden, Sommerblumen und Bodendecker verwendet werden. Auch die Ansaat von Rasen ist problemlos möglich. Vor der Rasenansaat wird das Bodensubstrat gerade geharkt und mit einer Walze verdichtet. Im Beet ist eine zusätzliche Verdichtung nicht erforderlich, es empfiehlt sich jedoch, vor der Bepflanzung einige Tage zu warten, da sich die Erde noch setzt.
Kleinbleibende Gehölze geben dem Garten Struktur und sorgen für Abwechslung. An den Seiten oder als Trennung von einzelnen Parzellen können Schnitthecken aus Buche, Liguster oder auch Buchsbaum gesetzt werden. Auf der Gartenterrasse können kleinbleibende Heckenpflanzen auch in einem länglichen Pflanzkübelgesetzt werden.
Da Dächer meist relativ offen Wind und Regen ausgesetzt sind, sollten zugluftempfindliche Gehölze wie Japanischer Ahorn nur in geschützten Bereichen gepflanzt werden. Hecken oder eine mit Rankern bepflanzte Pergola sorgen für Windschatten.
Gut windresistent sind zum Beispiel der Essigbaum, der bis zu 5m hoch werden kann und eine eindrucksvolle, rote Herbstfärbung aufweist, oder der Perückenstrauch mit seinen haarigen Fruchtständen. Diese Gehölze können auch frei im Dachgarten oder im großen Blumenkübel stehen.
Weitere geeignete Gehölze sind Scheinbuchen, Zieräpfel oder Rosen.
Große Gehölze können nur bei einer entsprechend dicken Erdschicht gepflanzt werden, sie beginnen sonst schnell zu kümmern und können auch die Folie beschädigen. Bei einer flacheren Erdschicht können flach wurzelnde Gehölze wie Rhododendren, Hortensien oder Pfeifenstrauch gepflanzt werden.
Die Anlage von Stauden- oder Kräuterbeeten ist auf fast allen Dachgärten möglich.
Steingartenpflanzen wie der Hauswurz oder die Fetthenne wachsen bereits auf sehr wenig Substrat, sie sind allerdings nicht betretbar.
In einigen Fällen kann das Dach auch abschnittsweise mit anderen Bepflanzungen versehen werden: Über Dachträgern können Gehölze und Sitzplätze angelegt, weniger tragfähige Bereiche mit flach wurzelnden Pflanzmatten bepflanzt werden.
Selbst in kleinsten Gärten oder im Pflanzkübel lässt sich auch ein wenig Gemüse und Obst ziehen. Dies bereichert nicht nur den Speiseplan, es sieht auch gut aus und macht besonders Kindern viel Spaß.
Für den Pflanzkübel oder das kleinere Beet sind Beerensträucher und kleinbleibende Obstbäume geeignet.
Diese können als Spalier gezogen auch als Hecken-Alternative dienen. Viele Obstsorten wie Äpfel, Kirschen oder Aprikosen sind in Säulenform erhältlich. Diese nehmen wenig Platz weg und sind besonders einfach zu ernten.
Im Dachgarten kann eigentlich alles Gemüse gepflanzt werden, das auch im normalen Garten angebaut wird. Für den Blumenkübel eignen sich Erdbeeren, Tomaten, Paprika, Chilis oder Salate.

Gestaltung
Bei der Gestaltung sind dem Dachgärtner keine Grenzen gesetzt. Auf der Dachterrasse sorgen Pflanzkübel aus Terracotta für mediterranes Flair. In den Blumenkübel können zum Beispiel Feigen oder Oliven gesetzt werden, gut passen auch Zitronen- oder Orangenbäumchen.
In großen Gärten können Wege aus Steinplatten, Kies oder Mulch angelegt werden, Sitzgruppen und Bänke laden zum Entspannen ein. Auch die Anlage von Wasserspielen oder sogar kleinen Teichen ist möglich, hier ist noch mehr als beim normalen Teich auf eine gute Abdichtung zu achten. Kleine Teichschalen aus Kunststoff sind dafür besonders gut geeignet.
Für einen japanischen Garten können Bonsai-Bäume ins Beet oder in den Pflanzkübel gesetzt werden, auch Bambus passt gut dazu. Um Schäden in der Bodenabdeckung zu vermeiden, sollten nur schwachwüchsige Sorten wie der Fargesia murielae `Simba´ verwendet werden. Der Bambus kann auch in einem Pflanzkübel in den Boden gelassen werden, so kann er sich nicht unkontrolliert ausbreiten.
Auch klassische Bauerngärten oder eine formale Buchs-Landschaft können im Dachgarten umgesetzt werden.

Pflege
Der Dachgarten ist in Bezug auf Bewässerung und Düngung etwas pflegeintensiver als der normale Garten, da die Erdschicht weniger Nährstoffe und Wasser speichert als gewachsener Boden. Entsprechend ist auch die Pufferwirkung geringer und Überdüngungen wirken sich stärker aus. Ein Bewässerungssystem vereinfacht die Pflege, für den Rasen und für größere Beete kann ein normaler Sprenger verwendet werden, im Blumenkübeloder für einzelne Gehölze ist zum Beispiel eine Tröpfchenbewässerung geeignet.
Einige Kübelpflanzen benötigen im Winter Schutz, sie müssen entweder hereingeholt oder mit einem Vlies geschützt werden. Winterharte Pflanzen können draußen bleiben, hier ist darauf zu achten, dass auch derBlumenkübel frostfest ist.