Zitrusgewächse in unseren Breiten kultivieren 

Zitrusgewächse wie der Orangenbaum zählen zur Familie der Rautengewächse und zur Ordnung der Seifenbaumartigen. Die immergrünen Gehölze bereichern mit einer Vielzahl an Kreuzungen, Hybriden und Sorten sowohl Pflanzkübel als auch Speiseplan. Da sie in unseren Breiten nicht winterhart sind, sindZitronenbaum und Co. etwas pflegeintensiver, im mediterranen Garten dürfen sie jedoch nicht fehlen.

Beschreibung
Zitrusgewächse sind immergrüne Gehölze, die baum- oder strauchartig wachsen und dabei Höhen von bis zu 25 m erreichen können. Diese Ausmaße erreichen die tropischen Pflanzen in kühleren Regionen eher nicht, sie werden meist als Strauch oder Stämmchen im Topf kultiviert.
Die Blätter sind oval bis länglich und meist von dunkelgrüner, glänzender Farbe. An jungen Trieben bilden sich Dornen, die an älterem Holz in der Regel nicht mehr ausgebildet werden.
Die Blüte bildet sich meist im späten Frühjahr bzw. Sommer, die Pflanzen können aber unter guten Bedingungen das ganze Jahr über blühen. Besonders der Zitronenbaum ist sehr blühwillig.
Die weißen Blüten sitzen einzeln oder in kleinen Gruppen, es gibt männliche und zwittrige Blüten. Die Bestäubung erfolgt durch Wind und Insekten, es können sich jedoch auch ohne Bestäubung Früchte bilden. Da diese keine Kerne enthalten, werden sie wie die Persische Limette gezielt gezüchtet.
Etwa 3 Monate braucht die Frucht für ihre Entwicklung, wobei jedes Fruchtblatt eine "Spalte" bildet. Die Zitrusfrüchte gehören zu den Beeren und stellen hier eine Sonderform dar.
Die Früchte sind komplett essbar, die Schale ist bitter und das Fruchtfleisch, je nach Art, sauer bis süß.
Die Schale der eigenen Ernte vom Orangenbaum oder Zitronenbaum kann bedenkenlos mitverzehrt werden, bei gekauften Früchten sollte aufgrund der Behandlung mit Pflanzenschutz- und Konservierungsstoffen darauf verzichtet oder auf Bio-Produkte zurückgegriffen werden.
Der durch Pressen gewonnene Saft kann direkt getrunken oder zum Kochen und Backen verwendet werden. Besonders die Früchte vom Orangenbaum oder Zitronenbaum werden gern zum Saftpressen genutzt.
Mit ihrem hohen Vitamin C-Gehalt sind die Früchte gesund und werden als Hausmittel bei Erkältungen oder Grippe zur Steigerung des Immunsystemes verwendet. Die enthaltene Säure von Zitronen regt den Appetit und die Verdauung an, mit Inhaltsstoffen wie ätherischen Ölen, Flavonoiden und Pektin werden sie in der Naturheilkunde auch zur unterstützenden Behandlung von Rheuma und Gicht angewendet.
Zitronensäure ist ein natürliches Konservierungsmittel, das zum Beispiel bei der Herstellung von Marmelade verwendet wird, wo es neben den konservierenden Eigenschaften auch dafür sorgt, dass die frische Farbe erhalten bleibt.
Das Öl wird zur Abwehr von Insekten und als Massageöl zur Anregung der Durchblutung eingesetzt.

Systematik
Die Gattung der Zitrusgewächse (Citrus) zählt zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae), zu denen zum Beispiel auch das Sandelholz gehört. Die Familie umfasst überwiegend Gehölze, die Laub abwerfend oder immergrün sein können. Sie gehört zur Ordnung der Seifenbaumartigen (Sapindales).
In der Klasse der Bedecktsamer wird sie zu den Kerneukotyledonen gezählt, die durch fünfzählige Blütenhüllen gekennzeichnet sind.
Neben dem bekannten Zitronenbaum oder Orangenbaum sind in der Gattung der Zitrusgewächse auch Arten wie die Kumquat vertreten. Die zur Ernte bestimmten Sorten sind in der Regel Kreuzungen aus verschiedenen Arten. Nicht gekreuzt sind zum Beispiel die Pampelmuse, die Mandarine und die Zitronatzitrone, die jedoch auch durch den Menschen selektiert wurden.
Durch Züchtungen sind attraktive Sorten wie die Citrus limon "Foliis variegatis", ein Zitronenbaum mit gelb-grünen Blättern, entstanden. Besonders große Früchte bringt die "Lipos" hervor, eine Kreuzung aus Zitrone und Pampelmuse. Sie wird überwiegend als Ziergehölz verwendet.

Verbreitung
Ihren Ursprung haben Zitrusgewächse wie der Orangenbaum in Südostasien, wo sie bereits sehr früh kultiviert wurden. Der asiatische Ursprung zeigt sich noch in Namen wie "Mandarine", was vermutlich von Mandarin (chinesischer Beamtentitel) stammt.
Aufgrund der schmackhaften Früchte verbreitete sich nicht nur der Zitronenbaum schnell im klimatisch gut geeigneten Mittelmeerraum und von dort aus immer weiter nach Norden.

Standortansprüche
In unseren Breiten werden die nicht winterharten Zitruspflanzen meist in Pflanzkübel gesetzt. In geheizten Gewächshäusern können sie auch direkt in den Boden ausgepflanzt werden.
Das Substrat sollte locker und humos sein und eine gute Luftführung aufweisen. Im Handel sind spezielle Erden für Zitruspflanzen erhältlich, die vorgedüngt sind und den Orangenbaum für die ersten Wochen mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Eigene Erde kann zum Beispiel aus Gartenerde oder Torf mit Quarzsand und Bruchstein bzw. Perlite gemischt werden. Torf oder auch Kompost sorgen für das leicht saure Milieu, das die meisten Zitruspflanzen bevorzugen.
Bei allen Zitrusgewächsen, ob im Gewächshaus oder draußen im Pflanzkübel, gilt: Je mehr Sonne, desto besser. Auch im lichten Halbschatten können die Pflanzen gedeihen, für schattige Plätze ist sie nicht geeignet.

Kultur im Garten / Zimmer
Im Handel sind Zitronenbaum, Orangenbaum oder auch Arten wie Pampelmuse oder Kumquat im Container in verschiedenen Größen erhältlich. Samenpflanzen oder Stecklinge benötigen mehrere Jahre, bis sie das erste Mal Früchte tragen.
Meist werden sie im Pflanzkübel kultiviert und können ins Gewächshaus oder in der warmen Jahreszeit auch ins Freiland gestellt werden.
Als Zimmerpflanze werden vor allem kleinbleibende, zierende Arten wie die Citrus limon"Meyer" kultiviert, die etwa 1-1,50 m hoch werden. Der Standort sollte auch hier hell und sonnig gewählt werden, am Fenster empfiehlt es sich, den Pflanzkübel regelmäßig zu drehen, um einen gleichmäßigen Wuchs zu erhalten.

Pflegehinweise
Der Pflanzkübel sollte etwas größer als der ursprüngliche Container gewählt werden, Töpfe aus Ton sind nicht nur optisch passend für mediterranes Flair, sie halten außerdem die Feuchtigkeit besser und erwärmen sich nicht so stark wie Pflanzkübel aus Plastik.
Das Abzugsloch wird gegen Staunässe mit Tonscherben oder Steinen abgedeckt, darauf folgt eine Schicht aus Kieseln oder Blähton. Getopft werden Zitronenbaum, Orangenbaum und andere Zitrusgewächse dann in das passende Substrat. Wird die Pflanze zu groß, kann sie im Frühjahr nach dem gleichen Schema in einen größerenPflanzkübel umgetopft werden.
Nach dem Topfen wird die Pflanze leicht angegossen und sollte in den ersten Tagen nur mäßiger Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
Für einen guten Fruchtertrag benötigen Orangenbaum und andere ausreichend Nährstoffe. Für die Düngung sind spezielle Zitrusdünger, die es auch als Langzeitdünger gibt, oder auch andere Düngemittel geeignet. Bei der Auswahl sollte darauf geachtet werden, dass das Verhältnis von Stickstoff zu Kalium ungefähr 1:1 ist, zur Unterstützung der Blüten- und Fruchtbildung wird phosphorbetont gedüngt. Bei einer ausgewogenen Düngung ist eine oft empfohlene zusätzliche Gabe von Eisendünger nicht erforderlich, außer es treten Mangelerscheinungen in Form von blassen Blattspitzen und Blättern auf.
Gegossen werden sollte immer dann, wenn der obere Teil des Substrates ausgetrocknet ist. Um Staunässe zu vermeiden, sollte nicht zu stark gegossen werden.
Im Winter werden Orangenbaum und Zitronenbaum in ihrem Pflanzkübel an einem hellen, warmen Ort, zum Beispiel einem Wintergarten, überwintert.
Die Vermehrung erfolgt über Samen oder Stecklinge. Bei Veredelungen werden die Sorten auf eine Unterlage einer anderen Sorte oder Art gesetzt. So ist eine sortenreine Vermehrung möglich, die Unterlagen werden nach Robustheit und guten Wurzeleigenschaften ausgewählt.
Neben Mangelerscheinungen durch unzureichende Düngung können am Zitronenbaum oder Orangenbaum auch Schädlinge und Krankheiten auftreten.
Pilzerkrankungen treten vor allem unter zu feuchten Bedingungen auf, Anzeichen können Blätter mit schwarzem oder weißem Belag oder braune, absterbende Triebspitzen sein. Befallene Pflanzenteile sollten direkt entfernt und entsorgt werden, bei starkem Befall kann ein Fungizid eingesetzt werden.
An Zitronenbaum und Orangenbaum auftretende Schädlinge sind zum Beispiel Blattläuse oder Schnecken. Gespinste, die Spinnenweben ähnlich sehen, deuten auf einen Befall mit Spinnmilben hin, der bei stärkerem Befall mit einem Pflanzenschutzmittel bekämpft werden kann. Sollen die Früchte verzehrt werden, sind die Herstellerangaben des Mittels zu beachten, dies gilt auch für Fungizide.