Clematis 

In der Familie der Hahnenfußgewächse gehören Clematis zu den ausdauernden, verholzenden Pflanzen.
Die etwas 300 Arten umfassen 9 Untergattungen, die wiederum in Sektionen eingeteilt werden, viele gezüchtete Sorten schaffen ein großes Sortiment mit vielen unterschiedlichen Blüten-, Blatt- und Wuchsformen. Durch Kreuzung von Arten und Sorten entstand auch eine große Auswahl an Hybridsorten, die in beinah jeder Blütenfarbe erhältlich sind.
Die meisten Arten sind Kletterpflanzen, es gibt jedoch auch Sträucher und Halbsträucher.

Beschreibung
Die Clematis (auch Klematis) hat im Volksmund viele Namen, der bekannteste deutsche Name ist wohl die Waldrebe, ein Hinweis auf ihr natürliches Vorkommen im Wald und eine Verbindung zum Wein (Rebe).
Ein weiterer Name ist zum Beispiel Judenstrick, welcher aus Jutenstrick hergeleitet wurde. In der Schweiz wird sie als Niele bezeichnet.
Die meisten Arten sind mehrjährige und holzige, seltener auch krautige Kletterpflanzen, die Wuchshöhen von bis zu 15m erreichen können. Die kletternden Arten bilden Ranken aus Blattstielen oder Zusatzblättchen, mit deren Hilfe sie sich an Bäumen oder Rankhilfen festhalten. Unter den über 300 Arten gibt es aber auch nicht kletternde Pflanzen und Sträucher mit stark variierenden Blatt- und Blütenformen.
Die Blätter sind meist gegenständig angeordnet und können einfach bis gefiedert sein. Der Blattrand ist glatt bis gezähnt, auch hier variieren die Arten stark. Die meisten Arten werfen ihr Laub im Winter ab, es gibt aber auch einige immergrüne Sorten. Immergrün sind zum Beispiel die Sorten ´Armande Apple Blossom´ (rosa blühend) oder die Sorte ´Snow Bells´, deren weiße Blüten an Glockenblumen erinnern und stark duften.
Die auffälligen Blüten stehen meist in Blütenständen von mehreren Blüten. Unter den Blüten sind Hochblätter angeordnet, die für die Optik der Blüte aber eine eher untergeordnete Rolle spielen.
Die Farbenvielfalt, die bereits bei den natürlich vorkommenden Formen von weiß bis rot, rosa, blau und violett reicht, ist durch Züchtungen auf fast alle Farben ausgeweitet worden. Auch die Formen der Blüte, die in der Natur meist glocken- oder sternförmig sind, sind bei der Waldrebe enorm vielseitig. Einige Blüten, wie zum Beispiel die weiß-lilanen Blüten der Clematis akoensis, erinnern an tropische Früchte.Die Blüten verfügen außerdem über auffällige und viele Staubblätter, die zum Charme der Blüte beitragen. Je nach Art und Sorte blühen Waldreben ab Mai oder den ganzen Sommer hindurch, einige Sorten blühen bis in den September hinein.
Im Herbst bildet die Clematis einsamige Nussfrüchte.
Sie enthält wie alle Hahnenfußgewächse einen für Menschen und Tiere giftigen Stoff, das Protoanemonin. Sie ist daher nicht zum Verzehr geeignet und sollte nicht direkt an Weiden oder Ställen gepflanzt werden. In der Naturheilkunde wird die Clematis in stark verdünnter Form in der Homöopathie bei geschwollenen Drüsen eingesetzt. Als Bachblüte wird sie bei sehr verträumten Menschen und Tieren eingesetzt, um wieder einen Bezug zur Realität herzustellen. Sie ist außerdem Bestandteil der Notfalltropfen, die gegen Schock angewendet werden.

Systematik
Die Gattung Clematis gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und zur Unterfamilie der Ranunculoideae.
Hahenfußgewächse weisen oft geteilte Blätter und mehrere, zusammenstehende Blüten auf. Sie sind meistens zwittrig und bilden Balg- oder Nussfrüchte.
Clematis gehören zu den Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida), das heißt, die Samen sind in einem geschlossenen Fruchtblatt eingeschlossen.
Die Gattung Clematis wird in 9 Untergattungen gegliedert, die sich teilweise noch weiter in Sektionen gliedern. Die Untergattung Campanella gliedert sich zum Beispiel in 3 Untergattungen, die jeweils wieder verschiedene Sorten umfassen.
Die Gattungen können untereinander Hybriden bilden, die oft besonders schöne und auffällige Blüten bilden und im Garten gern eingesetzt werden.

Verbreitung
Clematis kommen natürlicherweise in lichten Wäldern bzw. Waldrändern in gemäßigtem Klima vor, wo sie vor allem auf kalkhaltigen Böden wachsen. In geeignetem Klima kommen sie beinah weltweit vor, wobei die meisten Arten aus China stammen. Aber auch in Europa und Nordamerika ist die Clematis verbreitet, wenige Arten kommen auch in tropischen oder in subarktischen Gebieten vor.

Standortansprüche
Am wohlsten fühlen sich die Clematis in halbschattigen Bereichen. Der Wurzelbereich sollte nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein, während die Blüten genügend Licht benötigen, um ihre volle Fülle zu erreichen. Unter Bäumen ist dieser Zustand natürlicherweise gegeben, freie Rankgitter sollten eher in nur stundenweise besonnten Bereichen aufgestellt werden. Auch umgebende kleinere Sträucher oder Stauden sorgen für die nötige Beschattung der Wurzeln und sind gute Begleiter für die Clematis.
An Hauswänden benötigen Clematis ein Rankgitter. Da sie, anders als zum Beispiel der Efeu, keine Haftwurzeln besitzen, können sie nicht selbstständig an strukturarmen Wänden emporklettern.
Sie können außerdem zur Verkleidung von Regenrinnen oder Ähnlichem verwendet werden. Eine Befestigung mit Blumendraht oder Seil weist die Pflanze dabei in die gewünschte Richtung.
Der Boden sollte frisch bis feucht und gut durchlässig sein, Staunässe wird nicht gut vertragen. Der pH-Wert sollte eher im leicht basischen Bereich liegen, saure Böden können mit Kalk entsprechend aufgebessert werden.
Waldreben können auch in größere Kübel gepflanzt werden und an Regenrohren oder Rankgittern aufgestellt werden. Strauchartig wachsende Arten benötigen weder im Freiland noch im Kübel eine Rankhilfe. Das Abflussloch des Pflanzgefäßes sollte dabei mit Tonscherben oder Steinen abgedeckt werden, um Staunässe zu vermeiden. Auch eine Schicht Kies oder Perlite am Boden sorgt für die nötige Durchlässigkeit. Wenn der Kübel frosthart ist, kann dieser auch den Winter draußen verbringen.

Kultur im Garten
Clematis werden im Handel in der Regel als etwa 0,5m hohe Pflanzen im Container angeboten. Sie können außerdem als Ballenware oder als Samen erworben werden. Sie benötigen vor allem einen guten Standort mit ausreichender Bodenfeuchte, unter guten Bedingungen ist die Pflege verhältnismäßig einfach. Wasser, Dünger und ein regelmäßiger Schnitt sorgen dafür, dass Sie lange Freude an der Pflanze haben. Topfpflanzen blühen bereits im ersten Jahr, auch Ballenware sorgt spätestens im zweiten Jahr für schöne, duftende Blüten. Nach der Aussaat kann es, je nach Sorte, mehrere Jahre dauern, bis die Pflanze zu blühen beginnt. Die meisten Sorten können problemlos selbst vermehrt werden, insbesondere die Wildsorten säen sich auch selbst aus.
Waldreben können unter jeden größeren Laubbaum gepflanzt werden, das Bodenmilieu unter Nadelbäumen ist ihnen meist zu sauer und das Lichtangebot nicht ausreichend. Unter jungen Bäumen sollten, wenn überhaupt, schwach wachsende Sorten gepflanzt werden, da diese unter dem zusätzlichen Gewicht leiden und die Pflanzen in Konkurrenz um das Sonnenlicht treten können. Stark wachsende Sorten sollten auch an älteren Bäumen immer wieder zurückgeschnitten werden, damit sie diese nicht überwuchern.
Am besten zur Geltung kommen die auffällig blühenden Clematis an frei stehenden Bäumen oder am Rand von Gehölzgruppen, hier ist auch das Sonnenlicht ausreichend.
Mit kleinbleibenden Gehölzen oder Stauden können schöne Farb- und Formkombinationen geschaffen werden. Sehr gut wirken Clematis auch in Kombination mit Rosen oder sommerblühenden Kräutern wie Katzenminze, Lavendel und Salbei. Auch zusammen mit Kletterrosen entstehen schöne Arrangements.

Pflegehinweise
Die richtige Pflanzung sorgt für einen problemlosen und schnellen Start in ein langes Pflanzenleben. Dazu wird ein Pflanzloch von 40-50cm Tiefe ausgehoben und je nach Bodenart eine Bodenverbesserung durchgeführt. Bei lehmigen Böden, die zu Staunässe neigen, können Sand oder Schotter in den Boden eingebracht werden, die die Erde auflockern und für Durchlässigkeit sorgen. Bei sandigen, mageren Böden ist das Einarbeiten von Kompost oder Humus das Mittel der Wahl. Die Zuschlagsstoffe werden mit dem Aushubboden gemischt und wieder in das Loch gefüllt, bis die benötigte Tiefe erreicht ist. Wenn die Pflanze im Loch steht, sollte der Topfrand bzw. der Ballen etwa 5cm tiefer stehen, als der Rand des Pflanzloches hoch ist.
Dann können die Ränder angefüllt werden, dabei sollte mit dem Spaten oder dem Fuß lagenweise weiter verdichtet werden. Um zu verhindern, dass das Gießwasser wegfließt, ist das Anlegen eines Gießrandes sinnvoll. Mit der ausgehobenen Erde wird ein kleiner Wall aufgeschüttet, der etwa den doppelten Durchmesser des Ballens oder Topfes haben sollte. Beim ersten Angießen werden auch Löcher, die beim Pflanzen entstanden sein können, verfüllt, eventuelle Erdsackungen können in den ersten Tagen wieder gefüllt werden. Das Angießen sorgt auch für einen guten Wurzelschluss.
Als Rankhilfe dienen Bäume, Gestänge aus großen Ästen, Rankgatter oder auch Formen, wie Obelisken aus Metall oder Holz.
Topfpflanzen können das ganze Jahr über, Ballenware im Frühjahr oder Herbst gepflanzt werden. Besonders in der ersten Zeit ist das regelmäßige Gießen wichtig, doch auch gut angewachsene Pflanzen benötigen Pflege in Trockenphasen.
In den ersten Jahren können Clematis noch verpflanzt werden, die beste Zeit ist das Frühjahr oder der Herbst. Dazu werden sie vorsichtig von ihrer Rankhilfe gelöst und stark zurückgeschnitten. Mit dem scharfen Spaten wird ein Ballen ausgestochen, der einen Durchmesser von 20-30cm (je nach Pflanzengröße) nicht unterschreiten sollte. Der Ballen wird bis unten hin sauber ausgestochen, die Wurzeln dürfen nicht ausgerissen oder abgebrochen werden.
Da Waldreben einen starken Rückschnitt vertragen, kann auch bei älteren Exemplaren ein Umpflanzversuch erfolgreich sein, dies sollte aber nur durchgeführt werden, wenn die Pflanze ohnehin von dem Standort entfernt werden muss. Nach dem starken Rückschnitt wird ein möglichst großer Ballen ausgehoben und direkt am neuen Standort eingepflanzt. Verletzte oder faulige Wurzeln werden mit einer scharfen Gartenschere entfernt. Es kann hilfreich sein, die Clematis im Jahr vor dem Verpflanzen bereits mit einem Spaten zu umstechen, dazu wird einfach der Spaten im Kreis um die Pflanze herum in den Boden gestochen und so ein Teil der Wurzeln abgetrennt. An diesen Stellen verzweigen sich die Wurzeln neu und die Pflanze übersteht den Umzug mit diesen neu gebildeten Wurzeln leichter.
Clematis in Kübeln können in der Regel unproblematisch ins Freiland gesetzt werden und werden wie Pflanzen mit Topfballen behandelt.
Clematis gedeihen am besten bei regelmäßiger Düngung und Wässerung. Der Boden sollte nie ganz austrocknen, es darf jedoch auch keine Staunässe entstehen.
Zur Düngung sind zum Beispiel organische Langzeitdünger oder guter Kompost geeignet. Die Düngung erfolgt im Frühjahr. Bei der Verwendung von Kunstdünger, wie Blaukorn, ist eine zweite Düngergabe im frühen Sommer sinnvoll. Kübelpflanzen sollten ebenfalls regelmäßig gedüngt werden, hier können Depotdünger in die Erde gegeben oder Dünger in flüssiger Form dem Gießwasser zugesetzt werden. Beginnt die Pflanze zu kümmern, hilft das Umsetzen in einen größeren Kübel oder ein Teilaustausch der ausgelaugten Erde. Die Wurzeln der Kübelpflanze können dabei um etwa ein Drittel reduziert werden. Haben sich bereits Ringelwurzeln gebildet, sollten diese mit einem scharfen Messer aufgeschnitten und etwas auseinandergezogen werden. Dies regt die Bildung neuer Wurzeln an.
Bei den Clematisarten gibt es solche die keinen, bzw. einen leichten oder eine starken Rückschnitt benötigen. Viele Wildarten, wie die Clematis alpina, benötigen keinen Rückschnitt, es reicht, wenn abgestorbene Teile entfernt werden. Wird die Pflanze zu groß, vertragen sie aber auch einen starken Rückschnitt.
Einige Pflanzen, wie die 'Clematis brevicaudata oder Clematis jackmanii verkahlen ohne einen Rückschnitt von unten her. Sie werden bis auf etwa einen halben Meter über dem Boden abgeschnitten und treiben jedes Jahr neu aus.
Der Schnitt erfolgt bei frühjahrsblühenden Sorten direkt nach der Blüte, da sie danach bereits neue Knospen für das nächste Jahr anlegen. Sommerblühende Sorten werden nach dem starken Frost im Februar/März geschnitten.
Die eigene Vermehrung von Clematis ist bei nicht veredelten Sorten recht einfach, sie können über Samen, Ableger oder Stecklinge vermehrt werden. Die Aussaat erfolgt im Frühjahr, die Pflanzen können im Zimmer ab Februar vorgezogen werden oder im Mai direkt ins Freiland gesät werden.
Ableger können von März bis August gezogen werden. Dazu wird ein junger Trieb der Pflanze in den Boden bzw. einen Topf mit Anzuchterde abgesenkt und mit einem Haken verankert, die Spitze schaut dabei noch aus dem Boden. Am Trieb, der im Boden steckt, bilden sich nun neue Wurzeln. Nach der Wurzelbildung kann die Verbindung zur Mutterpflanze gekappt werden.
Stecklinge werden im Sommer von Seiten- und Haupttrieben genommen. Sie werden mit einem scharfen Messer abgetrennt und direkt in feuchte Anzuchterde oder ein Torf-Sandgemisch gesteckt. Bei hoher Luftfeuchtigkeit (zum Beispiel in einem Gewächshaus oder unter Folie) bilden sich bald Wurzeln und die kleine Pflanze kann in einen Topf oder ins Freiland umziehen.
Veredelte Sorten können ebenfalls mit den genannten Methoden vermehrt werden, sind aber meist weniger robust.
Waldreben können, wie die meisten Pflanzen, von Pilzen und Schädlingen befallen werden. Ungünstige Standortbedingungen, wie Staunässe, begünstigen Krankheiten, die beste Vorbeugung ist daher ein möglichst gutes Umfeld. Die Wildsorten sind meist weniger anfällig und sollten auf suboptimalen Standorten bevorzugt gepflanzt werden.
Eine häufig auftretende Krankheit ist die Clematiswelke, die durch einen Pilz verursacht wird. Sie äußert sich in schlaffen Blättern sowie welken Trieben und Blüten. Die Pflanze sollte dann stark bis ins gesunde Holz hinein zurückgeschnitten werden, das Schnittgut muss über die Biotonne entsorgt oder verbrannt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Schädlinge wie Schnecken oder auch Läuse können bei starkem Befall die Pflanze schwer schädigen, in diesem Fall sind entsprechende Schutz- und Bekämpfungsmaßnahmen einzusetzen. Ein leichter Befall wird von der Waldrebe meist unbeschadet überstanden.
Besonders bei nasser Witterung können Mehltau oder Botrytis (Krautfäule) auftreten, die mit passenden Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.